Filmkritik: “Konklave” – Ein Hauch von Regenbogen im Vatikan

Konklave Film
Wer den Trailer des Films "Konklave" sieht, erwartet zunächst wahrscheinlich einen Kirchenkrimi à la Umberto Eco oder Dan Brown. Ob das aktuelle Werk des deutschen Regisseurs Edward Berger ("Im Westen nichts Neues") diese Erwartungen erfüllt und ob es andere enttäuscht, soll Gegenstand dieser Rezension sein.

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Niemand würde wohl auf die Idee kommen, ein Filmdrama oder gar einen Thriller über die Wahl eines neuen EKD-Vorsitzenden zu drehen und frage jetzt bitte niemand ernsthaft, wie ich zu dieser Behauptung komme. Das bis anhin Aufregendste rund um das Spitzengremium des deutschen Protestantismus war die alkoholselige Spritztour seiner damaligen Chefin Margot Käßmann quer durch Hannover – mit einem geheimnisvollen Beifahrer, dessen Identität bis heute im Dunkeln liegt.

Da ist der Vatikan schon ein ganz anderes Kaliber. Seit Jahrhunderten umweht das Machtzentrum der Katholischen Kirche der Ruch von Verschwörung, des Rätselhaften und Mysteriösen. Die 44 Hektar rund um den Petersdom sind immer für eine tolle Story gut. Das dachten sich auch der Schriftsteller Robert Harris und der deutsche Regisseur Edward Berger, der den Roman des Briten zum Thema nunmehr verfilmte: “Konklave”.

Der Titel verrät, worum es geht. Der Papst ist tot. Ein neuer muss gewählt werden. Das entsprechende, jahrhundertealte Prozedere nennt sich kirchensprachlich Konklave, was soviel bedeutet wie ‘abgeschlossenes Gemach’. Tatsächlich müssen alle wahlberechtigten Kardinäle nach Rom kommen, werden dann im Vatikan buchstäblich eingesperrt und dürfen erst wieder heraus, wenn sie sich auf einen neuen Pontifex einigen konnten. Bis es soweit ist und weißer Rauch das Habemus pappam ankündigt, geschieht freilich noch so allerlei, woraus sich mach mitreißende Geschichte spinnen ließe.

Genau darauf warten die Kinobesucher im Falle von “Konklave” geschlagene 121 Minuten. Der Film zieht sich hin wie ein zähes Kaugummi, aus dem jeder Geschmack bereits herausgelutscht wurde. Wer die Serie “Borgia” um den schillernden Renaissancepapst Alexander VI. gesehen hat, weiß wie man eine Papstwahl spannend in Szene setzt und kann Ralph Fiennes nur bemitleiden, der sich redlich bemüht, Bergers Konklave-Film nicht wie eine EKD-Synode aussehen zu lassen – und damit letztlich scheitern muss. Was für eine Verschwendung!

Der Film – obwohl von der Ästhetik der Bilder des genialen französischen Kameramanns Stéphane Fontaine her durchaus sehenswert – ist inhaltlich nichtsdestotrotz eine Zumutung. Wie eigentlich alle Filme, die so offensichtlich mit einer Mission, einem Erziehungsauftrag daherkommen. Und so kommt in der aus Sperrholz in der legendären Cinecittà am Rande Roms nachgebauten Sixtinischen Kapelle alles zusammen, was von den Zeitläufen längst überholt wurde und nur noch knallharte Wokisten mit Begeisterung erfüllen dürfte.

Stanley Tucci gibt den etwas tuntig-divenhaft wirkenden Modernisten, wie ihn sich jeder Grünenparteitag auf den Stuhl Petri wünscht. Dessen Gegenspieler sind ein intriganter Nordamerikaner mit verblüffender Ähnlichkeit zu Donald Rumsfeld sowie ein erzkonservativer italienischer Purpurträger, der nach einem Terroranschlag draußen in der Stadt den heiligen Krieg gegen den Islam ausruft und ausgerechnet Kardinal Tedesco heißt: Deutsch. Ferner wäre da ein Nigerianer, der aber die Schwulen nicht mag und dreißig Jahre vorher eine schwarze Nonne schwängerte. Überraschungsgast in der Sixtina ist dann noch ein Kardinal aus Kabul, den niemand kennt, weil der verstorbene Papst ihn heimlich ernannt hatte. Und mittendrin Ralph Fiennes als zwischen allen Stühlen sitzender Kardinaldekan mit durchgängig eingemeißelter Leidensmiene. Fürwahr ein bunter Haufen.

“Konklave” ist im Grunde ein Kammerspiel. Fast die gesamte Handlung findet in geschlossenen Räumen unterschiedlicher Größe statt. In einem solchen Setting über zwei Stunden einen fesselnden Spannungsbogen zu erzeugen ist zugegebenermaßen nicht leicht. Wer wissen möchte, wie man es richtig macht, sollte sich “Die zwölf Geschworenen” (egal ob von 1957 oder 1997) anschauen. Bergers Film aber ist weder spannend noch amüsant noch anrührend und zum Schluss einfach nur absurd, wenn er die frühmittelalterliche Räuberpistole von der Päpstin vermittels eines bizarren Plot-Twists in unsere querselige Gegenwart katapultiert, in der jedes zweite Wort ‘Vielfalt’ ist.

In bemerkenswerter Offenheit spricht “Konklave” aber auch aus, woran das Christentum generell krankt, nämlich wenn Ralph Fiennes als Kardinaldekan Lawrence verkündet, die schlimmste Sünde sei die Gewissheit. Er hätte auch einen Toast auf den Dekontruktivismus ausbringen können. Was ist denn eine Kirche, was ist ein Christentum die sich ihrer selbst nicht mehr gewiss sind? In einer Epoche, da der reale Papst Franziskus in der Audienzhalle des Vatikan vor einem Krippenspiel betet, dessen Christuskind in ein Kufiya, ein sogenanntes Palästinensertuch eingewickelt ist, dem Markenzeichen des 2004 verstorbenen Terroristenführers Jassir Arafat und seiner Anhänger, trifft die Abscheu vor religiösen Gewissheiten auf einen Zeitgeist, der vom woken Juste Milieu allenthalben geteilt wird.

Abseits dessen, was die politischen und medialen Eliten des Westens ganz toll finden, wächst jedoch schon eine kulturelle Gegenbewegung heran. Dem traditionalen Katholizismus, einst als kleiner Haufen von “Ewiggestrigen” verschrien und belächelt, gelingt es immer häufiger kirchenintern die Jugend auf seine Seite zu ziehen und sich als dynamische Alternative zu den alternden, gitarrenklimpernden und klima- wie migrationsbewegten Spät-68ern zu profilieren.

Der belgische Historiker David Engels glaubt gar: “Auch politisch hat sich das traditionalistische Christentum zum Kern einer Ideologie gemausert, die den krachend gescheiterten Materialismus sowohl der Linken als auch der Liberalen zu überwinden vermag und es somit dem westlichen Menschen ermöglicht, der eigenen Geschichte endlich wieder einen neuen Sinn zu verleihen – oder besser gesagt, ihr den alten, eigentlichen Sinn zurückzugeben.”

Der Film “Konklave” wird bestenfalls als der von vorne bis hinten misslungene Versuch in Erinnerung bleiben, für eine woke-queere Karikatur des Christentums neue Begeisterung zu wecken.

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